Ident.I.tät?     (Fotocopyright Originalabbildung/Collagematerial : Hilde van Maas / georg khittl.com)
Ident.I.tät? (Fotocopyright Originalabbildung/Collagematerial : Hilde van Maas / georg khittl.com)
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KÜNSTLERINNENSTATEMENT

 

"Kunst ist mein Leben und mein Leben ist Kunst" (Yoko Ono)

 

Dieses berühmte Zitat von Yoko Ono und die Gedankenansätze der Fluxusbewegung, der Konzeptkunst

sowie der Nouveaux Realistes der 1960er Jahre prägen meine künstlerische Tätigkeit.

Aber auch Künstler wie Caspar David Friedrich und ZeitgenössInnen wie das Künstlerduo Fischli und Weiss oder Kara Walker inspirieren mich immer wieder.

 

Ein Hauptaspekt meiner Arbeit sind Rituale und vor allem unterschiedliche Realitäten,

aber auch vorherrschende Scheinwelten und Mysterien des alltäglichen Lebens künstlerisch zu verwerten

und dadurch den fließenden Übergang zwischen beidem aufzuzeigen.

Alles kann zum Material werden und die schöpferische Idee steht im Vordergrund.

 

Meine künstlerischen Arbeiten bewegen sich in ihrer formalen Umsetzung zwischen Fotografie/Collage/Überblendung

und (interaktiver) Installation. Unterschiedlichste Materialien, Medien und Realitäten überlagern sich oder werden miteinander verknüpft.

 

Mythologien, spezielle Orte, bekannte Redensarten, wissenschaftliche Arbeitsmethoden,

historische Ereignisse oder gängige Klischees und Stereotypen bilden die Ausgangsbasis meiner Arbeiten.

Bildinhalte und Thematiken werden aufeinander oder übereinander collagiert, montiert, projiziert oder gezeichnet.

Manchmal zufällig positioniert, meist aber sorgfältig ausgewählt entstehen, mittels Kontextverschiebung oder assoziativer Motivaneignung,

aus bereits bestehenden Bildern, Sprachformen, Geschichte(n)oder Verhaltensmustern Neuinterpretationen oder gänzliche Neudefinitionen.

 

Ich sehe mich als Alltagsforscherin, nehme dabei eine (selbst-)beobachtende Haltung ein,

untersuche und hinterfrage menschliche Verhaltensmuster und Gedankenstrukturen,

inszeniere oder erfinde Geschichte(n) und schlüpfe dabei manchmal in unterschiedlichste Rollen.

Oft weisen meine Arbeiten spielerischen Charakter auf, binden den Zufall mit ein oder führen die

BetrachterInnen durch Täuschung Witz und Ironie ein wenig in die Irre.

 

Begriffe wie Sünde und Begierde, Schönheitswahn und Perfektion, Sein und Schein, tarnen und täuschen, sehen und hören, Sinn und Unsinn,

Tatsache und Fiktion, Natur und Wissenschaft bilden den thematisch roten Faden durch mein multimediales Werk.

 

Beobachten und Perspektiven einzunehmen, diese immer wieder zu wechseln und ändern sind zentrale künstlerische Arbeitsweisen

der niederösterreichischen Künstlerin Evi Leuchtgelb.

Nie ist unser Blick unschuldig und objektiv. Unser Sehen ist vor allem ein widererkennendes Sehen, ein Einordnen des Sichtbaren,

in bereits angelegte Vorstellungen, in bereits vorhandene, etablierte Weltbilder. [...]

Denn immer trifft schon dagewesen auf scheinbar/angeblich Neues. Und das Bild der Vergangenheit schaffen wir uns immer nur mit den

Erfahrungen unserer Zeit, aus dem Kontext und den Bedingungen unserer eigenen Gegenwart. [...]

Es ist uns ein Bedürfnis, herauszufinden, was es denn ist, was wir da zu sehen bekommen. Oder – wollen wir es doch lieber nicht so genau wissen?

Hinschauen, wegsehen – die Macht unseres Blickes und die Vorherrschaft des Sehsinnes gegenüber unseren anderen Wahrnehmungskanälen –

auch die ist uns im Alltagsleben meist nicht präsent. Wie oft ist unser Blick ein hierarchisierender, ein Zuschreibungen treffender, ein wertender.

 

Auf humorvolle und leicht zugängliche Weise will Leuchtgelb zur Irritation von Gewohnheiten, die wir im eigenen Alltag zwar erleben, aber nicht thematisieren, anregen.

Sie fordert auf, sich ein eigenes Bild zu machen, nicht den groben Pauschalisierungen und den populären Vereinfachungen Folge zu leisten,

sondern genau hin zu sehen  - um zu sehen, was es zu sehen gibt, in jeder Situation, in jedem einzelnen Fall wieder aufs Neue.

 

(Katalogtextauszüge zur Einzelausstellung „Stereo.Typen" im art room St.Pölten, 2010 von Mag. Andrea Fröhlich - Kuratorin)