Morgen wird alles besser

 

 

2016

Leuchtobjekt|Fotoinstallation

Folie, Papier, Leuchtrahmen, Text

25 x 25 cm Leuchtrahmen, 30 x 40 Text mit Rahmen

10.07.1986

 

Ich bin sechs Jahre alt. Es sind meine letzten Sommerferien vor

Schulbeginn. Seit fast zwei Wochen liege ich auf der Kinderstation des

Krankenhauses St.Pölten. Manchmal höre ich wie unsere Station auch "die

Baracke" genannt wird.

Ich weiß nicht genau, was das bedeutet aber es ist nicht besonders

schön hier. Die Schwestern und Ärzte sind sehr nett aber ich teile mir mit

sieben anderen Kindern ein Zimmer, es gibt nur ein WC am Gang und zum

Baden müssen wir zweimal in der Woche in eine eiskalte Metallwanne in einem kahlen Raum steigen.

Mir geht es nicht gut. Nach einer Punktion meines Rückenmarks musste

ich einen Tag und eine Nacht nur auf dem Bauch liegen und sollte meinen Kopf

nicht anheben. Ich habe es aber trotzdem ein paar Mal gemacht. Deswegen habe

ich nun starke Kopfschmerzen. Vor einigen Tagen durfte ich zum ersten Mal

aufstehen, leider klappt es mit dem Gehen nicht so richtig. Ich kann meinen

Rücken nicht lange ohne starke Schmerzen aufrecht halten.

Heute ist es so heiß - wir Kinder wollen alle raus in die Sonne und unserem tristen Zimmer entkommen. Raus dürfen wir nicht, da unsere Station ebenerdig

ist, dürfen wir eines der großen alten Fenster öffnen.

Mein Bett steht direkt an diesem Fenster. Ein kleiner Windhauch bewegt

den Vorhang hin und her. Ich versuche gerade ein wenig zu gehen und stütze mich

an der großen breiten Fensterbank ab.

Draußen gehen Menschen spazieren, sie unterhalten sich. Ich höre Wortfetzen und diesen einen Satz:" So, seit heute ist St.Pölten Landeshauptstadt!"

Dann gehe ich langsam zu meinem Bett zurück, lege mich wieder hin und warte auf meine Mama...

 

  

Dies ist meine ganz persönliche Erinnerung an den Tag der Ernennung St.Pöltens zur Landeshauptstadt von NÖ. Damals konnte ich damit nicht wirklich etwas anfangen und trotzdem hat sich dieser eine Satz prägend in mir verankert. 30 Jahre Landeshauptstadt

St.Pölten verbinde ich zum einen mit meiner Krankheit und dieser schwierigen

Zeit in meiner Kindheit aber auch mit dem Erholen und Überstehen dieser und dem

Aufbruch in eine neue (Lebens-)Phase voller Zukunft und Tatendrang.